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"Ich muss vorneweg laufen"

Er war der letzte Neue beim HSV: Juan Pablo Sorin hat in seiner kurzen Bundesliga-Karriere eher die Schattenseiten des deutschen Fußballs kennen gelernt. Im PLAYER-Interview spricht der Argentinier über seine Probleme beim FC Villarreal, seine Radioshow und die deutsche Kulturgeschichte.

Hier Klicken!

 

Frage: Der HSV ist sowohl in der Liga als auch im Europapokal denkbar schlecht gestartet. Sie haben schon bei neun Vereinen als Profi gespielt. Wissen Sie den Weg, der aus so einem Tal herausführt?

Juan Pablo Sorin: Es ist nicht entscheidend, dass ich bereits so viele verschiedene Trikots getragen habe. Jeder Fußballer kennt die Problematik schon aus seinen Jugendtagen: Es ist wie im normalen Leben, genauer gesagt, es ist ja gar kein anderes Leben. Alles geht besser, wenn die Menschen, die aufeinander angewiesen sind, gut miteinander klarkommen.

 

HSV-Abwehrspieler Sorin: Anders als Ailton
AFP

HSV-Abwehrspieler Sorin: Anders als Ailton

Frage: Bei der WM waren Sie Kapitän der Argentinier. Man erwartet von Ihnen mehr als von anderen Spielen.

Sorin: Das bekomme ich schon hin. Ich muss vorneweg laufen. Ich muss zeigen, dass die Nationalmannschaft und neun verschiedene Clubs ihre Spuren hinterlassen haben.

Frage: Warum die vielen Wechsel?

Sorin: Zufall.

Frage: Man vermutet, Sie seien womöglich ein schwieriger Charakter.

Sorin: Sie meinen meine Probleme bei Villarreal?

Frage: Können Sie davon erzählen?

Sorin: Können ja. Aber ich möchte nicht.

Frage: Wieso nicht?

Sorin: Es ist vorbei. Ich schaue nicht zurück.

Frage: Jeder Mensch schaut zurück.

Sorin: (lacht) Dann bin ich kein Mensch. Nein, sagen wir es so: Der Trainer hat mich auf die Bank gesetzt. Ich habe es nicht verstanden, viele im Team auch nicht. Dann bin ich gegangen.

Frage: Wie ist Ihr erster Eindruck von der Bundesliga?

Sorin: Der Fußball ist offensiv, die Mannschaften mögen es, zu attackieren. Es gibt genügend Raum, um ein Spiel zu entwickeln. Ich bin sicher nicht der beste Ansprechpartner, um über den deutschen Fußball zu sprechen. Aber mir kommt die Liga sehr ausgeglichen vor.

Frage: Was unterscheidet den deutschen Clubfußball zum Beispiel vom spanischen?

Sorin: Er ist weniger verspielt. Und es geht lauter zu.

Frage: Auf dem Rasen?

Sorin: Im Stadion. Die Atmosphäre ist aufgeheizter. Sie hören nie auf – die Schreie und Gesänge. Das erinnert mich an Argentinien, es ist ein bisschen wie nach Hause kommen.

Frage: Können Sie die Gesänge schon verstehen?

Sorin: Nein. Aber das werde ich bald. Es wird wohl länger dauern als sonst, da Deutsch keine romanische Sprache ist. Es gibt also kaum ein Wort, das mich an Spanisch erinnert.

Frage: Viele ausländische Fußballer haben ihre Bemühungen irgendwann eingestellt. Ailton brauchte drei Jahre bis zu seinem ersten deutschen Satz. "Musse kämpfe fur Mannschaf!" Er hat ihn in allen Situationen angewandt.

Sorin: Nur diesen einen Satz? Das wird mir wohl nicht passieren. Wenn ich hier leben und Fußball spielen will, muss ich die Sprache beherrschen. Ist ein einfacher Gedanke, oder?

Frage: Es heißt, Sie seien ein atypischer Fußballer. Beispielsweise hätten Sie sich bei den Vertragsverhandlungen nach den Museen in der Hansestadt erkundigt.

Sorin: Das waren ganz gewöhnliche Vertragsverhandlungen, glauben Sie mir, Museen haben dabei keine Rolle gespielt. Und was man sich so erzählt von wegen kultiviert und intellektuell: Ich bin ein einfacher Mensch. Ich mag Fußball und ich habe Augen, Ohren und Nase.

Frage: Sie haben eine Radioshow geleitet und Sie haben zusammen mit Ihrer Frau ein Buch herausgebracht: "Grandes Chicos", große Jungs.

Sorin: Ja, okay. Aber was sagt das denn schon aus? So lange man Fußballer für Deppen hält, wird man immer denken: Ah, der Sorín! Aber ich bin nicht anders als andere. Ich bin Fußballer, in erster Linie. Ich trainiere viel, ich mag es, zu Hause zu sitzen, meinen Mate-Tee zu trinken und mit Freunden zu sprechen. Was soll daran anders sein als bei anderen Fußballern?

Frage: Es gibt zumindest nicht sehr viele, die dazu noch eine eigene Radioshow leiten.

Sorin: Es gibt etwas, zu dem uns das Leben verpflichtet: Teilhabe. In einer Zeit, da die meisten Radiosender ausländische Musik spielten, wollte ich unserem Rock eine kleine Plattform geben. Nicht weil ich keine ausländische Musik ausstehen kann, sondern weil mir unsere einfach zu kurz kam.

Frage: Und das Buch?

Sorin: Ich bin nicht nur Fußballer, ich bin auch Mensch mit Gewissen und mit Neigungen. Meine Frau und ich haben lange von einem solchen Buch geträumt. Und dass wir damit den Bau zweier Dorfschulen und eines Hospitals finanzieren konnten, war uns ein Bedürfnis. Aber wirklich darüber sprechen muss man eigentlich nicht groß.

Frage: Was wissen Sie von Deutschland?

Sorin: Ich denke, das wollen Sie kaum hören.

Frage: Ist es der Krieg?

Sorin: Er ist es. In Argentinien hat die deutsche Geschichte eigentlich erst mit dem Zweiten Weltkrieg begonnen, obwohl jeder weiß, dass die deutsche Kulturgeschichte viel älter ist. Ich freu mich drauf, mir nun mein eigenes Bild machen zu können.

 

Das Interview ist am 26. Oktober 2006 von einem Spiegel-Redakteur geführt worden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Juan Pablo Sorín ist schon allein wegen seiner langen Haare einer der auffälligsten Fußballer der Gegenwart. Doch nicht nur das: Der Hamburger Sportverein ist seine zehnte Station als Profi. Ein wenig viel, möchte meinen, wer Treue zu einem Klub für eine Tugend hält. Beeindruckend, mag wiederum jener denken, der die beinahe zwölf Jahre währende Reise als einen Beweis für Sorins fußballerische Qualitäten ansieht. Wie immer im Leben, liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Im Interview mit PLAYER spricht der WM-Kapitän der argentinischen Nationalmannschaft über Treue und Reiselust, seine Radioshow und Buchprojekte, über deutsche Stereotype und ein überraschend normales Leben als Fußballer.

PLAYER: Señor Sorín, wieso der HSV?
Juan Pablo Sorín, 30: Wieso nicht?

Er spielt in der Bundesliga.
Was bedeutet das?

Es ist weder die Serie A, noch die Primera Division - in beiden Ligen haben Sie bereits gespielt - noch die Premier League.
Wieso setzen Sie diese Liste nicht mit der Bundesliga fort?

Zwei Klubs sind in der ersten Runde des UEFA-Cups ausgeschieden, von den drei Teams in der Champions League laufen zwei Gefahr, die Gruppenphase nicht zu überstehen. Zudem haben wir Deutschen einen Hang entwickelt, unseren Fußball in der Dauerkrise zu sehen.
Bedauerlich. Ich bin immer davon ausgegangen, die Bundesliga hat einen guten Ruf und der HSV ist ein großer europäischer Klub mit einem klingenden Namen.

Er hat seit Jahren keinen Titel mehr gewonnen. Schon gar keinen auf europäischer Ebene. Der letzte und einzige Titel im Europapokal der Landesmeister liegt 23 Jahre zurück.
Aber der HSV spielt in der Champions League.

Was bedeutet das?
Das hat bei meiner Entscheidung für den HSV natürlich keine kleine Rolle gespielt.

Was war noch entscheidend für den Wechsel?
Dass meine Familie damit leben kann.

» ICH BIN SEHR DANKBAR, WIE MICH DIE MENSCHEN HIER EMPFANGEN HABEN. DAS IST SO NICHT NORMAL. WAS JETZT NOCH FEHLT, SIND SIEGE «
Kann sie?
Sie kann. Meine Frau war während der Weltmeisterschaft in Hamburg, es hat ihr gefallen.

Fußballfans, selbst noch in diesen Zeiten, mögen es, wenn sich Spieler mit ihrem Verein identifizieren. Könnten Sie nachvollziehen, dass man Ihnen nachsagt, Sie seien lediglich wegen der Auftritte in Europa hier?
Könnte ich. Aber wenn Sie sich entscheiden müssten, ob Sie dort oder da arbeiten wollen - dann entscheiden Sie sich auch nach Kriterien, die Ihnen attraktiv erscheinen. So ist das auch bei normalsterblichen Fußballern. Mein Kriterium war der europäische Fußball. Was soll anrüchig daran sein?

Fehlende Verbundenheit, womöglich.
Wieso das?

Weil das Tagesgeschäft Bundesliga auch Spiele in Mainz, Cottbus oder Bielefeld bedeutet.
Man vermutet in meiner Entscheidung die falschen Gründe. Nur weil ich sage, die Champions League war ein wichtiger Faktor, heißt das nicht, dass ich ansonsten spazieren gehe. Ich gebe im Fußball immer alles, egal wo und für wen ich spiele. Das entspringt meinem Wesen. Außerdem hat der HSV tatsächlich lange schon keinen Titel mehr gewonnen. Stellen Sie sich vor, das klappt in naher Zukunft und man ist dabei gewesen. Das ist doch eine ziemlich reizvolle Vorstellung.

Und wenn nicht?

Es lohnt sich nicht, darüber nachzudenken.

Der HSV ist sowohl in der Liga als auch im Europapokal denkbar schlecht gestartet. Sie haben bei neun Vereinen gespielt. Wissen Sie den Weg, der aus so einem Tal herausführt?
Es ist nicht entscheidend, dass ich bereits so viele verschiedene Trikots getragen habe. Jeder Fußballer kennt die Problematik schon aus seinen Jugendtagen: Es ist wie im normalen Leben, genauer gesagt, es ist ja gar kein anderes Leben. Alles geht besser, wenn die Menschen, die aufeinander angewiesen sind, gut miteinander klarkommen.

Kommen die Spieler beim HSV miteinander klar?
Es stimmt in der Kabine. Ich bin dankbar, wie mich die Menschen hier empfangen haben. Das ist so nicht normal. Alles, was zu dieser Begrüßung jetzt noch fehlt, sind die Geschenke: Siege. Ich hoffe, das Jahr geht genau andersherum zu Ende, wie es begonnen hat.

In Krisen wie diesen wird häufig gesagt: Ein Sieg, und alles wird besser gehen.
Fußballer unterliegen einem dunklen Gesetz: Serien. Keiner weiß warum. Alles passt, und trotzdem geht alles schief. Und dann gewinnt man, und alles läuft, wie es laufen soll. Eine andere, vernünftigere Antwort gibt es nicht.

Sie haben bei River Plate gespielt, bei Cruzeiro Belo Horizonte, Lazio Rom und beim FC Barcelona, bei Juve und Paris St. Germain. Bei der WM waren Sie Kapitän der Argentinier. Man erwartet von Ihnen mehr als von anderen Spielen.
Das bekomme ich schon hin. Ich muss vorneweg laufen. Ich muss zeigen, dass die Nationalmannschaft und neun verschiedene Klubs ihre Spuren hinterlassen haben.
Warum die vielen Wechsel?
Zufall.

Man vermutet, Sie seien womöglich ein schwieriger Charakter.
Sie meinen meine Probleme bei Villarreal?

Können Sie davon erzählen?
Können ja. Aber ich möchte nicht.

Wieso nicht?
Es ist vorbei. Ich schaue nicht zurück.

Jeder Mensch schaut zurück.
(lacht) Dann bin ich kein Mensch. Nein, sagen wir es so: Der Trainer hat mich auf die Bank gesetzt. Ich habe es nicht verstanden, viele im Team auch nicht. Dann bin ich gegangen.

Wie schwer fällt Ihnen ein Vereinswechsel?
Ich hasse Umzüge. Nein, im Ernst, das Schwierigste ist, Freunde zurücklassen zu müssen. Besonders hart war es bei meinem Wechsel von Cruzeiro nach Europa. Und jedes Mal, wenn wir unsere Freunde besuchen und eine Weile bleiben, denke ich: Mann, schon wieder aufbrechen.

Wieso dann so viele Wechsel?
Schwierig zu sagen. Nach meinen fast vier Jahren bei River Plate sah das alles ziemlich verworren für mich aus. Ich hatte meine Familie in der Nähe, wir hatten mit River jede Menge Erfolg und auf einmal hieß es: Brasilien, Cruzeiro. Man lässt eine Menge zurück und weiß nicht genau, was man findet. Eigentlich hatte ich ein mulmiges Gefühl.

Und dennoch sind Sie gegangen.
In Argentinien brach der Fußball zusammen und ich war neugierig. Aber die ersten Monate in Brasilien waren nicht einfach.

Inwiefern?
Alles war anders, Land, Sprache, Kultur. Zudem ist das Verhältnis zwischen unseren Nationen nicht das Beste. Auf der anderen Seite war da dieser Reiz, all das Fremde, das Neue, das Andere.

Nach der Zeit bei Cruzeiro ging die Odyssee los.
Wir hatten im letzten Jahr die Meisterschaft gewonnen - im letzten Spiel. Und ich hatte auch noch ein Tor geschossen. Da denkst du plötzlich, warum diesen wunderbaren Augenblick zerstören, indem du noch ein Jahr bleibst und vielleicht kein Meister wirst? Also habe ich das Angebot von Lazio angenommen, doch denen ging plötzlich das Geld aus.


Dann kam der FC Barcelona.
Ich war zwischenzeitlich wieder bei Cruzeiro, die liehen mich dann aus.

Wären Sie gerne geblieben?
Welcher Fußballer nicht? Aber es ging alles drunter und drüber, neue Vereinsspitze, neuer Trainer. Frank Rijkaard wollte neue Spieler.

Also weiter.
Zu Paris St. Germain, aber auch das war nicht optimal, jedenfalls wollte mich keiner aus dem Vertrag mit Cruzeiro herauskaufen. Das hat erst Villarreal getan.

Dürfen wir eine ironische Frage stellen?
Sie dürfen.

Sie haben beim HSV Vertrag bis 2009. Schaffen Sie es bis dahin?
(lacht) Das habe ich vor. Ich möchte meinen Vertrag erfüllen. Alles andere liegt nicht in meinen Händen. Ich bin vielleicht nicht ganz der, für den man mich hält.

Sind Sie ein Reisender wider Willen?
Widerwille war nie dabei. Jeder neue Klub und jedes Land haben mich wachsen lassen. Aber manchmal wäre ich gern länger geblieben.

Nun hat es Sie nach Deutschland verschlagen. Sind Sie überrascht von unserem Land?
Schon, aber nicht, wie Sie es womöglich meinen. Ich bin für jedes Land, das ich kennen lernen durfte, dankbar. Dankbar, dass mich der Fußball an Plätze geführt hat, von denen ich als Junge nicht einmal zu träumen gewagt habe, dass ich sie kennen lernen würde. Das ist bei Deutschland nicht anders als bei der U-20-WM 1995 in Katar oder der WM vor vier Jahren in Japan und Südkorea oder Brasilien, Italien oder Spanien. In Deutschland erwartet mich nun wieder ein neues Leben. Mit neuen Menschen, Eindrücken und einer neuen Form, Fußball zu spielen.

Wie ist Ihr erster Eindruck von der Bundesliga?
Der Fußball ist offensiv, die Mannschaften mögen es, zu attackieren. Es gibt genügend Raum, um ein Spiel zu entwickeln. Ich bin sicher nicht der beste Ansprechpartner, um über den deutschen Fußball zu sprechen. Aber mir kommt die Liga sehr ausgeglichen vor.

Sie sind so ziemlich der erste Ausländer, der so über den deutschen Fußball redet.
Warum der erste?

Die meisten sagen, die Bundesliga sei dynamisch, kämpferisch. Und ausländische Stürmer stellen fest, dass die Räume eher eng sind.
Ich bin kein Stürmer. Es ist eben auch eine Perspektivfrage. Das Spiel findet grundsätzlich auf engerem Raum statt. Das ist in allen großen Ligen gleich.

Was unterscheidet den deutschen Klubfußball zum Beispiel vom spanischen?
Er ist weniger verspielt. Und es geht lauter zu.

Auf dem Rasen?
Im Stadion. Die Atmosphäre ist aufgeheizter. Sie hören nie auf - die Schreie und Gesänge. Das erinnert mich an Argentinien, es ist ein bisschen wie nach Hause kommen.

Können Sie die Gesänge schon verstehen?
Nein. Aber das werde ich bald. Es wird wohl länger dauern als sonst, da Deutsch keine romanische Sprache ist. Es gibt also kaum ein Wort, das mich an Spanisch erinnert.
Viele ausländische Fußballer haben ihre Bemühungen irgendwann eingestellt. Ailton brauchte drei Jahre bis zu seinem ersten deutschen Satz. "Musse kämpfe fur Mannschaf!" Er hat ihn in allen Situationen angewandt.
Nur diesen einen Satz? Das wird mir wohl nicht passieren. Wenn ich hier leben und Fußball spielen will, muss ich die Sprache beherrschen. Ist ein einfacher Gedanke, oder?

Es ist auch eine Frage von Aufwand und Nutzen. Vielleicht werden Sie bei den vielen Deklinationen denken: "Sollte ich eines Tages nach Argentinien zurückkehren, werde ich mit kaum jemandem Deutsch sprechen können".
Dann lese ich eben auf Deutsch.

Haben Sie denn schon mal einen deutschen Autor in der Hand gehalten?
Nicht, dass ich wüsste.

Es heißt, Sie lesen viel.
So wie andere Menschen auch.


Es heißt auch, Sie seien ein atypischer Fußballer. Beispielsweise hätten Sie sich bei den Vertragsverhandlungen nach den Museen in der Hansestadt erkundigt.
Das waren ganz gewöhnliche Vertragsverhandlungen, glauben Sie mir, Museen haben dabei keine Rolle gespielt. Und was man sich so erzählt von wegen kultiviert und intellektuell. Ich bin ein einfacher Mensch. Ich mag Fußball und ich habe Augen, Ohren und Nase.

Sie haben eine Radioshow geleitet und Sie haben zusammen mit Ihrer Frau ein Buch herausgebracht: "Grandes Chicos", große Jungs.
Ja, okay. Aber was sagt das denn schon aus? So lange man Fußballer für Deppen hält, wird man immer denken: Ah, der Sorín! Aber ich bin nicht anders als andere. Ich bin Fußballer, in erster Linie. Ich trainiere viel, ich mag es, zu Hause zu sitzen, meinen Mate-Tee zu trinken und mit Freunden zu sprechen. Was soll daran anders sein als bei anderen Fußballern?

Es gibt zumindest nicht sehr viele, die dazu noch eine eigene Radioshow leiten.
Es gibt etwas, zu dem uns das Leben verpflichtet: Teilhabe. In einer Zeit, da die meisten Radiosender ausländische Musik spielten, wollte ich unserem Rock eine kleine Plattform geben. Nicht weil ich keine ausländische Musik ausstehen kann, sondern weil mir unsere einfach zu kurz kam.

Und das Buch?
Ich bin nicht nur Fußballer, ich bin auch Mensch mit Gewissen und mit Neigungen. Meine Frau und ich haben lange von einem solchen Buch geträumt. Und dass wir damit den Bau zweier Dorfschulen und eines Hospitals finanzieren konnten, war uns ein Bedürfnis. Aber wirklich darüber sprechen muss man eigentlich nicht groß. Mir erscheint es normal und ich möchte nicht, dass der Eindruck entsteht, es sei mehr als Freude, die mich erfüllt, wenn ich daran denke.

Benefiz-Buch
Lesen für den guten Zweck
"Grandes Chicos" ist Soríns Herzensangelegenheit. Als Argentinien im Finanzchaos versank, entschied sich der Fußballprofi zusammen mit seiner Frau Sol Caceres, ein Buch zu publizieren, um mit den Erlösen die besonders betroffene Bevölkerung im armen Norden des Landes zu unterstützen. Herausgekommen ist "Große Jungs", ein Sammelband, in dem 21 Autoren über ihre Kindheit schreiben. Illustriert ist das Buch mit Kinderfotos der Autoren. Sorín etwa posiert als Dreijähriger in der Rolle des "Zorro". Die kompletten Einnahmen des Buches steckt er in den Bau von Schulen und Krankenhäusern in der Armutsprovinz Santiago del Estero. Das Buch ist in deutscher Sprache nicht erhältlich.

Was wissen Sie von Deutschland?
Ich denke, das wollen Sie kaum hören.

Ist es der Krieg?
Er ist es. In Argentinien hat die deutsche Geschichte eigentlich erst mit dem Zweiten Weltkrieg begonnen, obwohl jeder weiß, dass die deutsche Kulturgeschichte viel älter ist. Ich freue mich drauf, mir nun mein eigenes Bild machen zu können.

Eines bleibt noch aufzuklären.
Was ist es?

Es heißt auch, Sie seien Fan von Christian Ziege gewesen.
Fan wäre übertrieben. Es hat mir aber gefallen, dass man Ziege so vielfältig einsetzen konnte. Genauso aber gefällt mir die Schnelligkeit von Roberto Carlos, oder ich mag, wie Maldini deckt, ich mochte auch immer, wie Andy Brehme schießen konnte. Ich habe bei ihnen immer genau hingeschaut, weil sie auch alle links gespielt haben, so wie ich.

Hatten Sie Idole in Ihrer Jugendzeit?
Ich glaube nicht an Idole. Wir Menschen haben Defekte und Tugenden. Es bleibt uns nichts, als das zu akzeptieren. Ich sehe mir Filmstars an, höre Musiker. Das macht sie aber nicht zu Unberührbaren. Die müssen genau so auf die Toilette wie Sie und ich.

Ist Diego Maradona für Sie kein Idol?
Nein. Ich bin sein größter Bewunderer, aber nicht sein Jünger.

Nach neun Klubs und zwei WM-Teilnahmen. Was fehlt Ihnen noch in Ihrer Karriere?
Ein Weltmeistertitel.

 

Dieses Interview stamm aus dem Magazin "Player" vom November 2006

 

 




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